Die Idee für dieses Stück kommt von den »berliner jungs«, ein Projekt der Einrichtung SUB/WAY berlin e. V., das Childhood seit 2007 unterstützt. Ziel der »berliner jungs« ist es, Jungen auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die ihnen von »Pädosexuellen« – Erwachsene, die auf Sex mit Kindern aus sind – drohen und ihnen zu helfen, solche Menschen im Alltag zu erkennen und ihnen auszuweichen.
Eine notwendige Hilfe, sagt Projektleiter Lutz Volkwein : »Wir wissen durch eine Studie mit der Freien Universität Berlin, dass fast jeder vierte Junge in der Öffentlichkeit durch pädosexuelle Männer angesprochen wird, bei jedem zwölften kommt es zu sexuellen Übergriffen mit oder ohne Körperkontakt.«
Sexueller Missbrauch hat gerade auch für Jungen fatale Folgen. Nicht selten gleiten die verstörten Kinder in die Prostitution ab. Die Mitarbeiter von SUB/ WAY berlin e. V. erfahren das jeden Tag aufs Neue. Seit Anfang der 90er Jahre betreut der Verein junge Männer, die sich prostituieren, berät, bietet medizinische Hilfe und einen Schlafplatz. Jungen, die in die Einrichtung kommen, sind zwischen 15 und 25 Jahre alt, viele von ihnen erlitten als Kinder sexuelle Gewalt. Während Übergriffe auf Mädchen oft im Freundes- oder gar Familienkreis geschehen, sind Jungen auch außerhalb ihrer häuslichen Umgebung gefährdet. Um hier vorzubeugen, gründeten SUB/WAY -Mitarbeiter das Projekt »berliner jungs«.
Männer, die sich kleinen Jungen nähern, gehen bewusst vor und überlassen selten etwas dem Zufall. Sie entsprechen meistens nicht dem Klischee des brutalen Vergewaltigers, sondern wirken eher wie der nette »Mann von nebenan«. Nicht nur Männer und Frauen aus dem sozialen Umfeld wagen sexuelle Übergriffe auf Jungen. Da ist z. B. der Mann am Spielautomaten, der auf den nächsten Level helfen will, der Dauerduscher im Schwimmbad oder der, der beim chatten Fotos von Jungen anfordert. Aufklärung über die Strategien solcher Männer ist wichtig. Die Mitarbeiter von »berliner jungs« sind auf Straßen, Spielplätzen, in öffentlichen Bädern und Einkaufscentern unterwegs. Überall da, wo Pädosexuelle auf der Suche nach Opfern sind.
Vor Ort wollen die Mitarbeiter mit Jungen in Kontakt kommen. Es geht ihnen darum, mit theater- und sportpädagogischen Elementen auf die Täterstrategien zu reagieren. Dafür wurde zum Beispiel das Präventionsspiel »VerFührerschein« konzipiert, das die Vorgehensweise Pädosexueller aufgreift und Jungen die notwendige Kompetenz vermittelt, die Absicht zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Mit diesem »VerFührerschein« gehen die »berliner jungs« in Institutionen, Einrichtungen und Schulen. In diesem Rollenspiel stellen die Jungen schnell fest, wie schwer es sein kann, Erwachsenen Grenzen zu setzen.«
Die »berliner jungs« kümmern sich nicht nur um die Prävention, sondern bieten auch betroffenen Jungen und Familien Hilfe an. Berlin ist eine Stadt mit hohem Immigrantenanteil, in der Familien oft unter schwierigen sozialen Bedingungen leben. Vielfach wachsen die Kinder ohne Vater auf. »Die fehlende männliche Bezugsperson ist ein großes Problem für Jungen und das nutzen Pädosexuelle aus«, erklärt Lutz Volkwein. Die Kids freuen sich, wenn ihnen ein männlicher Erwachsener Aufmerksamkeit schenkt, freundlich ist, ihnen Zigaretten und Bier spendiert, Geschenke macht und sie dann einlädt, bei ihm fernzusehen oder Computer zu spielen. Da fällt es schwer, »Nein« zu sagen. Wenn ein Junge Vertrauen zu dem älteren »Freund« gefasst hat, macht dieser den nächsten Schritt. Wenn dann »was passiert ist«, schämt sich der Junge meistens, fühlt sich schuldig und schweigt. Die Arbeit der »berliner jungs« ermutigt diese Jungen, zu reden und unterstützt sie so darin, das Erlebte zu verarbeiten.
Nicht jeder Mann, der freundlich zu Jungen ist, hat ein sexuelles Interesse an ihnen. Aber das Wissen um die Maschen potentieller Täter soll helfen, mit diesem schwierigen Thema besser umzugehen und die Unterschiede zu erkennen.
Tipps von Experten:
Vorsicht vor falschen Freunden:
Männer, die sexuelles Interesse an Jungen haben, gehen nach einem bestimmten Muster vor. Aufklärung
ist deshalb von großer Bedeutung. Das geschieht durch die »berliner jungs« vor Ort, im Internet und mit Broschüren.
Dies sind die auffälligsten Merkmale »falscher Freunde« :
1.
Pädosexuelle sind da, wo Jungen sich aufhalten, z. B. in Schwimmbädern, auf Spielplätzen oder in Internetchatrooms.
2.
Sie versuchen systematisch das Vertrauen der Jungen zu gewinnen, indem sie Interesse für Aktivitäten
zeigen, die den Jungen gefallen, indem sie sie ernst nehmen, z. B. um ihren Rat bitten.
3.
Sie geben den Jungen Geld und Geschenke, ermutigen und unterstützen sie, bei dem was sie tun.
4.
Um den Jungen privat näher zu kommen, provozieren die Pädosexuellen Konflikte zwischen den Jungen und ihren Eltern und Freunden.
5.
Der Pädosexuelle mißbraucht sein Opfer, indem er Schritt für Schritt Grenzen überschreitet. Zuerst wird er den Jungen »aus Versehen« berühren, aber mit der Zeit nehmen diese Berührungen immer stärker einen sexuellen Charakter an.
6.
Sie versuchen den Jungen durch Drohungen, durch Wecken von Schuldgefühlen und durch Erpressung zum Schweigen zu veranlassen. (»Wenn Du irgendjemandem etwas erzählst, sag ich Deinen Freunden, dass Du schwul bist«)
Quelle :
SUB/WAY berlin e. V.
Informationen :
Anonyme Beratungs-Hotline
der »berliner jungs« :
Tel. 0 30 · 23 63 39 83
Mo. bis Fr. 14–19 Uhr.
info@jungen-netz.de
www.jungen-netz.de